Wenn KI-Content nach hinten losgeht: Was Praxen aus dem Vertrauensverlust großer Marken lernen können
KI-Tools versprechen schnellen, günstigen Content. Gerade für Praxen mit wenig Zeit für Social Media klingt das verlockend. Die Forschung der letzten beiden Jahre zeigt aber: genau dieser Weg kann das Gegenteil von dem bewirken, was Sie eigentlich wollen.
Ein Wort des Jahres, das eine ganze Bewegung beschreibt
"AI Slop" wurde 2025 von Merriam-Webster zum Wort des Jahres gewählt, ein Begriff für die Flut an erkennbar KI-generiertem, seelenlosem Content, der sich über Social Media, Suchergebnisse und Werbung verbreitet hat. Eine Umfrage von Harris Poll fand: 78 Prozent der Verbraucher sagen, KI mache Werbung weniger authentisch. 73 Prozent vertrauen einer Anzeige weniger, wenn sie KI-generiert wirkt. 63 Prozent kaufen seltener bei einer Marke, die KI-generierte Werbung nutzt.
Selbst große Marken kommen damit nicht durch
Coca-Cola wurde für seine KI-Weihnachtswerbung zwei Jahre in Folge als seelenlos bezeichnet. McDonald's Niederlande musste eine KI-Weihnachtswerbung nach massivem öffentlichem Backlash zurückziehen. Gucci bekam für KI-generierte Visuals zur Mailänder Fashion Week Kommentare wie billig und faul, ausgerechnet bei einer Marke, die für italienisches Handwerk steht.
Der Gegenbeweis kommt von Marken, die das Gegenteil versucht haben: Aerie, Equinox und Almond Breeze fuhren bewusst Anti-KI-Kampagnen, explizit als von Menschen gemacht beworben. Aerie meldete danach 23 Prozent mehr Umsatz im vierten Quartal 2025.
Es geht nicht um die Technologie, sondern um die Kreativleistung
Der wichtigste Befund für den Praxisalltag: Es ist nicht die KI-Nutzung selbst, die bestraft wird, sondern der fehlende menschliche Beitrag dahinter. Eine Studie fand, dass als KI-unterstützt gekennzeichneter Content besser bewertet wird als vollständig KI-generierter Content, weil Ersteres menschliche Beteiligung signalisiert. Wer ein KI-Tool nutzt, um einen eigenen Gedanken auszuarbeiten oder einen witzigen Moment kreativ zu bearbeiten, wird davon nicht automatisch bestraft. Wer dagegen komplette Beiträge unreflektiert generieren lässt und ohne weiteren Aufwand postet, wirkt schnell unpersönlich, unseriös und wenig vertrauenswürdig, genau die Eindrücke, die eine Praxis am wenigsten vermitteln will.
Was das für Ihre Praxis bedeutet
Der Vertrauensverlust trifft ausgerechnet den Content, der eigentlich Nähe schaffen soll: authentische Einblicke in Team und Praxisalltag, mit denen Sie sowohl Patienten als auch potenzielle Mitarbeitende erreichen wollen. Ein KI-generiertes Symbolbild wirkt hier meist kontraproduktiver als ein etwas unperfektes, aber echtes Foto aus dem Praxisalltag.
Mehr dazu, warum Authentizität gerade bei Social Media für Patienten- und Mitarbeitergewinnung entscheidend ist, lesen Sie in unserem Artikel zur doppelten Wirkung Ihres Marketings.
Quellen
- What the Rise of AI Slop Means for Marketers, Meltwater
- AI Ads Trigger Backlash: Here's What Research Says Leaders Can Do, Forbes, zu einer Harris-Poll-Umfrage
- The AI marketing backlash: why "AI-first" brands are falling flat, mit den Beispielen Coca-Cola, McDonald's, Gucci und Aerie
- How consumers interact with AI vs human content, Bynder